…ist Co-Founder und Geschäftsführer von Micromate. Zusammen mit seinem Team entwickelt er einen digitalen Lernassistenten für Unternehmen, der Wissen effizient, nachhaltig und interaktiv vermittelt. Dabei kombinieren sie technologische Innovation mit einem hohen Qualitätsanspruch – immer mit dem Blick für praktische Anwendungen. Gamification ist eines seiner Herzensthemen und er ist dazu immer für einen Austausch zu haben. Sie finden Christoph auf LinkedIn.
Experteninterview: Gamification in der betrieblichen Bildung sinnvoll einsetzen
Datum
26. March 2025

Gamification macht das betriebliche Lernen effektiver und steigert die Lernmotivation – doch wie funktioniert das in der Praxis? Wir haben dazu Christoph Süess befragt, Co-Founder und CEO von Micromate. Das Startup spezialisiert sich auf Microlearning und kombiniert Lernen mit künstlicher Intelligenz. Im Gespräch teilt er seine Erfahrungen, zeigt konkrete Einsatzmöglichkeiten von Gamification auf und erklärt, worauf Unternehmen achten sollten.
Was ist Gamification?
Gamification bedeutet, spieltypische Elemente in einen anderen Kontext zu übertragen, um Prozesse spannender und motivierender zu gestalten. Das Konzept ist nicht neu. Bereits in der Grundschule setzen Lehrpersonen spielerische Elemente ein. Etwa mit einem Stern als Belohnung für gute Hausaufgaben oder die Kinder lernen Vokabeln mit einem Memory-Spiel. Nicht nur in der Lernwelt, auch im Alltag begegnet uns Gamification immer öfter: Zum Beispiel im Schrittzähler des Smartphones, der mit Auszeichnungen zu mehr Bewegung motiviert.
Welche Vorteile bietet Gamification für die betriebliche Bildung?
Sie macht Lernprozesse ansprechender und steigert die Lernmotivation. Interaktive Elemente erleichtern den Einstieg ins Lernen, halten die Konzentration aufrecht und fördern den erfolgreichen Abschluss. Belohnungen wie Punkte, Abzeichen oder Leaderboards steigern den Lernanreiz zusätzlich. Diese Mechanismen fördern langfristiges Engagement und nachhaltigen Wissenstransfer.
Die spielerische Dynamik erleichtert vor allem komplexe oder monotone Aufgaben, indem sie Inhalte greifbarer macht. Dabei spielt weder die Grösse des Unternehmens noch die Art der Lernumgebung eine Rolle. Ob im Präsenzunterricht oder im e-Learning – schon kleine spielerische Elemente wie digitale Abzeichen oder Zertifikate setzen positive Anreize.
Kannst du Beispiele nennen, wie Gamification in der betrieblichen Bildung eingesetzt wird?
Besonders bei trockenen Themen wie Compliance- oder Datenschutztrainings, sorgt Gamification für mehr Engagement. Auch Onboarding-Prozesse profitieren von interaktiven Elementen. So kann eine digitale Schnitzeljagd neue Mitarbeitende spielerisch durch das Unternehmen führen und sie mit wichtigen Abläufen vertraut machen. Soft-Skills-Trainings, etwa für Kommunikation oder Führungskräfte, setzen ebenfalls zunehmend auf spielerische Elemente.
Welche spielerischen Elemente fördern das Lernen konkret?
Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt! Alles, was das Lernziel unterstützt und Spass macht, ist erlaubt. Hier sind einige klassische Ansätze:
- Storytelling: Fiktive Szenarien wie der Fall von «Hansueli», der auf eine Phishing-Mail hereinfällt oder ein vertrauliches Teams-Meeting im Zug führt, machen abstrakte Inhalte greifbar. Durch emotionale Verknüpfungen bleibt das Gelernte länger im Gedächtnis.
- Fortschrittsanzeigen: Fehlen nur noch 20 Prozent bis zum Kursende, steigt die Motivation, die Lerneinheit abzuschliessen. Sichtbare Fortschritte geben Lernenden ein Erfolgserlebnis und fördern das Durchhaltevermögen.
- Auszeichnungen: Digitale Abzeichen belohnen Lernende für absolvierte Module oder besondere Erfolge. Sie erzeugen Anerkennung und motivieren dazu, weitere Herausforderungen zu meistern.
- Highscores und Ranglisten: Spielerischer Wettbewerb steigert den Anreiz, sich mit den Lerninhalten auseinanderzusetzen. Besonders bei freiwilligen Schulungen sorgen Ranglisten für zusätzliche Motivation.
- Gruppenarbeit und Team-Challenges: Das gemeinsame Lösen von Aufgaben und der Austausch darüber vertiefen das Verständnis und helfen, das Gelernte besser zu speichern.
Hast du Tipps für Unternehmen, die Gamification erstmals einsetzen möchten?
Schauen Sie genau hin: Wo verlieren Sie Lernende? Wo bleibt Wissen nicht hängen? Entscheidend ist, Gamification gezielt einzusetzen, um das eigentliche Lernziel zu unterstützen. Die Methode macht schlechte Lerninhalte nicht besser und es geht auch nicht darum, einfach den Spassfaktor zu erhöhen. Vielmehr soll der spielerische Ansatz die aktive Teilnahme fördern, um so den Wissenstransfer nachhaltiger zu gestalten.
Motivation ist zudem höchst individuell. Nicht jeder findet dasselbe herausfordernd oder ansprechend. Wir unterscheiden vier Spieltypen:
- Die Geselligen (Socializer): Sie schätzen die soziale Interaktion und Zusammenarbeit.
- Die Entdecker (Explorer): Sie lieben es, Neues zu entdecken und Wissen zu vertiefen.
- Die Erreicher (Achiever): Sie möchten Erfolge erzielen und sich verbessern.
- Die Konkurrenzorientierten (Killer): Sie suchen den Wettbewerb und wollen gewinnen.
Ein guter Gamification-Ansatz spricht alle vier Typen an. ChatGPT kann dabei als Inspiration dienen: Fragen Sie gezielt nach Vorschlägen für verschiedene Spielertypen.
Gibt es klassische Tools, um Gamification in der betrieblichen Bildung anzuwenden?
Gamification funktioniert auch ohne Technologie – meistens reicht Kreativität. Digitale Tools lassen sich aber durchaus einbauen. Etwa Kahoot für interaktive Quizzes und Umfragen im Präsenzunterricht oder Miro für kollaborative Whiteboards. KI-gestützte Anwendungen liefern Inspiration und helfen, Inhalte dynamisch aufzubereiten.
Wie siehst du die Zukunft von Gamification? Gibt es Trends oder neue Entwicklungen, die du besonders spannend findest?
Künstliche Intelligenz spielt sicher eine immer grössere Rolle, insbesondere bei der Personalisierung von Lerninhalten. Sie erkennt Muster im Verhalten der Nutzenden und integriert passende spielerische Elemente, um den bestmöglichen Lerneffekt zu erzielen.

Christoph Süess

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